Gesundheit

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16.02.2026

Routinen für Biohacker und Longevity-Fans

Routinen für Biohacker und Longevity-Fans

© Recover Society

Nicolai Gropper und Marcus Naumann (links) arbeiteten einst zusammen bei einem Projekt für ein Unternehmen aus der Automobilbranche. Dort entwickelten sie die Idee für ein Health-Lab. Vor knapp zwei Jahren beschlossen die beiden dann, die Idee gemeinsam als Neugründung umzusetzen. Im Sommer 2025 startete Recover Society mit zunächst zwei Standorten in Roomers-Hotels in Baden-Baden und Frankfurt am Main. Wir sprachen mit den beiden Gründern über ihr WellnessKonzept und aktuelle Gesundheitstrends.

Lieber Marcus, lieber Nico, Longevity ist derzeit in aller Munde und hat Gemeinsamkeiten mit Biohacking. Wie definiert Ihr den Begriff Biohacking?

Marcus: Beim Biohacking geht es darum, die persönlichen Cheat-Codes für ein gesundes Leben zu nutzen. Der Ansatz ist individuell zu verstehen, Ziel ist die Optimierung der eigenen Leistungsfähigkeit bzw. Gesundheit. Das funktioniert über Ausprobieren verschiedener Methoden nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Im Bereich der Gesundheitsoptierung gab es in den vorigen Jahren große wissenschaftliche Fortschritte. Biohacking ist ein Teilbereich von Longevity, wo die Maximierung der Healthspan, also der Lebensspanne in Gesundheit, im Fokus steht.

Wie sieht euer Ansatz aus?

Nico: Aus unserer Sicht ist der Gesundheitssektor ein Wachstumsmarkt. Wir möchten unseren Kunden eine möglichst barrierefreie Auswahl an Tools zur Verfügung stellen, damit diese daraus Routinen entwickeln können. Dazu sind vor allem zwei Punkte wichtig. Zum einen beobachten wir den Markt sehr intensiv. Welche Tools gibt es? Wie ist die Studienlage? Danach folgt die Umsetzung. Wir integrieren die Technologie in unser Angebot und machen sie anwendbar. Wir möchten Orte zum Ausprobieren schaffen. Unsere Kunden bekommen hochwertige Leistungen in einer angenehmen und ruhigen Umgebung unter fachkundiger Betreuung. Wir bieten Luxus und möchten positive Narrative verbreiten.

Hier in Frankfurt ist einer von derzeit zwei Standorten. Wie habt ihr euer Angebot in die bestehenden Strukturen integriert?

Nico: Grundsätzlich nutzen wir Flächen, die noch nicht optimal ausgelastet waren. Im Roomers in Frankfurt sind wir in der 6. Etage in einem ehemaligen Meetingraum. Der Vorteil für uns ist, dass es bereits einen Spa-Bereich gab. Wir mussten also nicht bei 0 starten. Zudem hat sich das Hotel an einigen Investitionen beteiligt. Aus unserer Sicht wird auch das Hotel langfristig von einer steigenden Nachfrage profitieren, neben den Mieteinnahmen.

Welche Rolle spielt der Standort?

Marcus: Das Roomers in Frankfurt hat einen ausgeprägten Ruf, steht für Lifestyle. Hier wollten wir unbedingt hin. Der Standort ist unsere Blaupause. Hier testen wir, was wie gut funktioniert.

Wie sieht die Zielgruppe für euer Konzept aus?

Marcus: Sensibel in Bezug auf die eigene Gesundheit und wohlhabend. Viele unserer Kunden arbeiten viel und nehmen sich bewusste Auszeiten. Daher ist neben einem flexiblen Angebot auch die Ansprache wichtig. Wir haben die drei Routinen „Re:Charge“, „Re:gain“ und „Re:glow“. Wie erreicht ihr die Kunden, beispielsweise hier im Hotel? Marcus: Unser Angebot ist auf der Hotel-Website integriert. Zudem zeigen wir vor Ort Präsenz mit einem Stand direkt an der Rezeption. Dort machen wir die Gäste auf unser Angebot aufmerksam. Die Resonanz ist sehr positiv, wir sind zufrieden mit dem Start.

Besuchen euch eher Hotelgäste oder gibt es auch Mitglieder?

Nico: Wir sind mit einer limitierten Founder-Mitgliedschaft gestartet. Diese umfasst ebenso wie die WelcomeMitgliedschaft ein gewisses Kontingent an Anwendungen. Neben Hotelgästen, die wir im Rezeptionsbereich gezielt ansprechen, haben wir auch bereits eine gewisse Community aufgebaut. Das sind beispielsweise Menschen, die in Hotelnähe wohnen oder das Hotel wegen uns regelmäßig wieder buchen. Die Mehrheit sind noch Einzelkunden, aber viele kommen wieder. Wir möchten Orte schaffen, wo interessierte Menschen sich mit dem Thema Biohacking auseinandersetzen können. Daher sind weitere Standorte geplant, auch international. Unsere Member reisen gern.

Welche Leistungen habt ihr im Angebot?

Nico: Bei uns gibt es verschiedene Einzelanwendungen, die zu personalisierten Routinen kombiniert werden können. Am Anfang steht immer eine möglichst umfangreiche 360°-Analyse, um zu sehen, wo der Kunde steht und welche Ziele er hat. Bei uns gibt es Anwendungen wie die Sauerstofftherapie, Eisbaden, Rot- & Nahinfrarotlicht oder Infusionen. Zudem bauen wir auch das Trainingsangebot aus, etwa durch Pilates-Kurse. Der Communitygedanke wird auch durch Vorträge gestärkt.

Wie setzt ihr das Thema Nährstoff-Infusion um?

Nico: Wir bieten Infusionen an, bei denen Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren und andere Nährstoffe direkt in die Blutbahn verabreicht werden. Zuvor findet eine ausgiebige Beratung statt und die Infusion wird von einer Ärztin geleitet.

Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welche Tools zum Einsatz kommen?

Nico: Die Tools müssen zu unserem Konzept passen, umsetzbar sein und uns auch persönlich überzeugen. Zudem achten wir auch auf die Studienlage, also die Evidenz. Wir entscheiden das dann zusammen mit unserem wissenschaftlichen Team. Wenn es Zweifel gibt, verzichten wir lieber auf die Umsetzung.

Sind weitere Tools geplant?

Marcus: Es gibt viele interessante Ansätze, bei manchen hakt es bei der Umsetzung, zum Beispiel durchrechtliche Vorgaben. In den USA gibt es zurzeit spannende Ent - wicklungen zum Thema Social Wellness. Wir wollen das Angebot auf jeden Fall noch erweitern.

In welchen Segmenten möchtet ihr euer Konzept platzieren?

Marcus: Bei unseren Überlegungen haben wir drei Bereiche festgelegt, in denen wir unser Angebot platzieren wollen: Hotel/Hospitality, Departement Stores und Flughäfen. In diesem Jahr werden wir beispielsweise einen Standort in Berlin eröffnen.

Welche Faktoren sind entscheidend für den Erfolg?

Nico: Zunächst einmal ist es wichtig, das Geschäftsmodell sauber aufzusetzen. Da wir mit Ärzten arbeiten, ist die Netzwerkpflege ein Faktor. Im Umgang mit den Kunden möchten wir als Marke sexy sein und gleichzeitig kommt es auch sehr auf Vertrauen an.

Vielen Dank für das sehr interessante Interview.

Das Interview führte Philipp Hambloch.


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